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Potosi u. Sucre
 

 

Geschichte und Kultur in Potosi und Sucre

 

Nachdem wir uns in den letzten Wochen hauptsächlich in abgelegenen Gebieten in der Natur aufgehalten haben, sind wir nun in die zwei wichtigsten Städte des Landes um uns ein wenig mit der Geschichte und Kultur Boliviens vertraut zu machen.

Kolonialzeit, ethnische Gruppen und Gesellschaftsschichten, Bodenschätze, Freiheitskampf und Unabhängigkeit, pazifischer Krieg - dies waren Themen, mit denen wir uns konfrontiert sahen.

 

 

Potosi
 

 

Diese Stadt auf über 4300 m ü.NN war einstmals die reichste und größte Stadt der Welt. Wir können uns kaum vorstellen, dass diese Stadt jemals reicher war als z.B. Rom oder Paris - aber dem ist wohl so. Grund hierfür sind die unglaublichen Silbervorkommen in den umliegenden Bergen, die Mitte des 16.Jhdt. entdeckt wurden. Man sagt, die Spanier hätten eine silberne Brücke von Bolivien nach Spanien bauen können und hätten dann noch genug dieses edlen Metalls übrig gehabt, um es karrenweise über eben jene Brücke nach Spanien zu transportieren. 

Um all das Silber abbauen zu können, wurden Millionen von Arbeiter für den gefährlichen Abbau in den Minen benötigt. So wurde zunächst indigene Bevölkerung versklavt und später, als diese nicht mehr ausreichte, wurden Millionen afrikanischer Sklaven nach Potosi verschleppt, von denen jedoch viele innerhalb kürzester Zeit an Höhenkrankheit oder den Folgen der extremen Lebens - und Arbeitsbedingungen starben.

 

 

 

Als das Silber versiegte verfiel das wirtschaftliche Zentrum des Landes in Armut. Heute beherbergt Potosi eines der wichtigste Museum des Landes, bietet gut erhaltene koloniale Architektur, viele Kirchen und zurückhaltend freundliche Einwohner. 

 
Leider haben wir das Schild mit den Öffnungszeiten zum Casa de la Moneda, dem Museum in der Stadt, nicht richtig gelesen und haben somit einen Besuch dort verpasst. (Wer lesen kann ist klar im Vorteil!)

 

 

 

 

 

Nach wie vor lebt die  Stadt von ihren Minen. Nur wird heute kein Silber mehr abgebaut, sondern hauptsächlich Zink und Blei. Die Arbeit in den Minen hat sich in den letzten hundert Jahren jedoch nicht verändert. Nach wie vor werden keine Maschinen unter Tage eingesetzt, alles wird in Handarbeit erledigt. 

Die Arbeiter sind permanent giftigen Chemikalien und Gasen ausgesetzt und so führt diese in hohem Maße gesundheitsschädliche Arbeit dazu, dass die meisten der Männer innerhalb von 10 -15 Jahre der Minenarbeit an  (meist Lungen-) Krebs oder sonstigen Krankheiten sterben. 

 

Ca. 97 % der bolivianischen Bevölkerung sind Christen, davon fast 70 % katholisch. Dies ist den missionarischen Aktivitäten der Jesuiten zu verdanken, die zur Zeit der Kolonialisierung nach Bolivien gerufen wurden, um dort die Kinder der Spanier zu unterrichten. Die Jesuiten bauten Kirchen, Schulen und Universitäten und bildeten nicht nur die Kinder der Spanier, sondern sorgten auch für die Bildung der einheimische Bevölkerung, was der gesellschaftlichen Oberschicht nicht immer gefiel. 

 

 

 

 

 

Markt in Betonzas

 

Da wir beide Märkte lieben, seien diese in Asien, Europa oder Südamerika, haben wir den großen Sonntagsmarkt in Betanzos, ca. 50 km von Potosi entfernt besucht. Mit dem Bus, eingequetscht zwischen Menschen, Säcke und Körben sind wir ca. 1 Std. zum Marktort gefahren. 

 

Am Markttag kommen Menschen aus den umliegenden Dörfern um Gemüse, Obst und alles das zu kaufen oder zu verkaufen, was zum alltäglichen Leben notwendig ist.  

 

 

 

 

Es geht unglaublich eng zu, es wird alles vorstellbaren und nicht vorstellbare angeboten und die die Szenerie ist bunt und lebendig.

 

 

 

 

Als wir vom Markt wieder zurück nach Potosi kamen, waren die Straßen der Stadt voller kostümierter Menschen. Wir fragten nach und erfuhren, dass eine Prozession zu Ehren eines Heiligen stattfinden wird. An vielen Ecken waren kleine, liebevoll geschmückte Altäre aufgebaut und durch die Gassen zog der Geruch von Weihrauch. Musikkapellen und Tanzgruppen zogen durch die Straßen und uns erinnerte das Ganze mehr an Karneval - es war laut, schrill, bunt und ausgelassen. 

 

 

 

 

 

Sucre

 

Sucre, die weiße Stadt

 

War Potosi das wirtschaftliche Zentrum des Landes, so war Sucre der politische Mittelpunkt Boliviens. Hier wurde 1824 die Unabhängigkeit unterzeichnet und ausgerufen. Auch wenn der Regierungssitz in La Paz ist, so ist Sucre doch die Hauptstadt und das "Herz" des Landes 

Wir haben uns länger als geplant in Sucre aufgehalten. In dieser Stadt mit den blendend weißen, wunderschönen Gebäuden, ihren lebendigen Plätzen, gemütlichen Innenhöfen, interessanten Museen und der Mischung aus Moderne und Tradition haben wir uns sehr wohlgefühlt. 

Die Geschichte Sucres geht eng einher mit der Geschichte Potosis. Die reichen Minenbesitzer, allesamt in Spanien geborene Kolonialherren, zogen von Potosi nach Sucre, weil dort, auf nur 2700  m ü. NN, das Klima gemäßigter und damit die Lebensbedingungen besser waren. In Potosi wurde gearbeitet und in Sucre wurde Politik gemacht. 

 

 

 

Der damalige Reichtum der Kolonialherren spiegelt sich heute noch in großen, unvorstellbar reich geschmückten Kirchen und herrschaftlichen Gebäuden. 

 

 

Besonders eindrücklich war für uns der Besuch des  bedeutendsten Hauses des Landes - dem Casa de la Libertad (Haus der Freiheit). Die Führung dort brachte uns die Geschichte des Landes, insbesondere die Geschichte der Revolution und dem Kampf um die Freiheit Boliviens und anderer südamerikanischer Länder näher. 

Und hier haben wir erstmals begriffen, wie instabil die politischen Verhältnisse in Südamerika auch heute noch sind. 

Neu war für uns auch zu erfahren, wie stark der Einfluss der Jesuiten auf die einheimische Bevölkerung war. Da der spanische König an der Loyalität seiner Glaubensmänner zweifelte und befürchtete, dass den Indios zu viel revolutionäres Gedankengut nahegebracht wurde, wurden die Männer des Ordens des Landes verwiesen. 

Innenhof im Casa de la Libertad

 

 

Ein weiteres, sehr schönes Museum war das Museo Textil-Ethnografico. Hier werden gewebte Textilien der verschiedenen ethnischen Gruppen rund um Sucre in ihrem jeweiligen Kontext ausgestellt. 

Diese interessante Ausstellung hat zudem einen ganz besonderen Hintergrund. Man hat längst vergessene Webtechniken wiederentdeckt, die heute wieder praktiziert werden und zum Stolz und zur Wiederbelebung der Communities beitragen. 

Nicht nur die Webtechnik hat uns staunen lassen. Vor allem die filigranen, lebendig wirkenden Motive und die jeweilige Farbgestaltung - in meinem Augen ist das richtige Kunst. 

 

 

 

Ganz besonders schön war, als wir am Abend in ein Restaurant gingen und dort saßen Tanya und Michael, mit denen wir gemeinsam in Buenos Aires spanisch gelernt haben. Derzeit begleitet Michaels Vater Sepp die beiden durch Bolivien und so haben wir auf unser Wiedersehen angestoßen und uns jeden weiteren Abend zum Abendessen getroffen. 

 

 

Wir haben die Atmosphäre in Sucre genossen und uns in dieser schönen Stadt Zeit gelassen für die vielen Dinge, die es zu sehen gibt. Wir sind durch die Gassen geschlendert, auf Kirchtürme gestiegen, sind auf der Plaza gesessen und haben dem Treiben zugeschaut und  Thomas hat (selbstverständlich) das Championsleaguespiel Barcelona-Stuttgart geschaut.

Und je länger man unterwegs ist, desto wichtiger wird gutes Essen. Sucre bietet alles: Schöne Cafés mit leckerem Eiskaffee mit dicker Sahnehaube, guten Tee und ebensolchen Kuchen und Thomas schwärmt noch heute von dicken, zarten Rinderfilets im französischen Restaurant. 

 

 

 

Tarabuco

 

Mit ein Grund, weshalb wir so lange in Sucre geblieben sind, war das Fest "Phujllay", welches im ca. 60 km entfernten Tarabuco gefeiert wird und  das an die Befreiung von der spanischen Kolonialherrschaft erinnert. 

Menschen der umliegenden Dörfer kommen in ihren Trachten und ziehen tanzend und musizierend durch die Gassen von Tarabuco. 

 

 

 

 

Zuschauer

 

Parallel dazu findet der sonntägliche Markt statt, an dem es  - wie immer - alles erdenkliche zu kaufen gibt. 

 

 

Natürlich finden sich auch jede Menge Stände mit Coca-Blättern. Coca-Blätter werden in Bolivien und Peru seit über 5000 Jahren kultiviert und sind aus dem gesellschaftlichen Leben Boliviens kaum wegzudenken. Die Spanier verboten den Anbau und den Konsum der Blätter, revidierten ihre Meinung aber schnell, als sie merkten, dass die Arbeiter in den Minen ohne Coca bei weitem nicht so leistungsfähig waren. 

Im Westen als Rohprodukt für die Herstellung von Kokain verschrien, ist es für die einheimische Bevölkerung eine heilige Pflanze, die seit Jahrhunderten in ihrer unverarbeiteten Form zum Leben der Menschen gehört. Auch in den Nachbarländern Boliviens ist Coca als Droge deklariert und verboten - in Bolivien ist Coca legal. Zum Kauen, als Tee, für spirituelle Zwecke, als Medikament,...Coca ist allgegenwärtig.

 

Coca-Blätter

 

Reist man in Bolivien, kommt man nicht umhin, Coca zu konsumieren. Kommt man in die Hochlagen des Altiplanos werden  im Refugio Coca-Tee und Coca-Blätter angeboten, weil sie angeblich gegen Symptome der Höhenkrankheit helfen. Auf nahezu jeder Speisekarte steht Coca-Tee und an fast jeder Ecke gibt es Coca-Blätter zu kaufen. 

Wir haben natürlich auch Coca konsumiert (wie gesagt, man kommt nicht umhin). Als Tee schmeckt Coca herb und ganz angenehm, gekaut sind die Blätter scheußlich bitter und nach meinem dafürhalten sind sie kaum genießbar. 

 

 

Und darüber hinaus...
....kreisen unsere Gedanken immer öfter um unsere Rückkehr. Thomas überlegt, wie er sein Arbeitszimmer umgestaltet, wir recherchieren bereits in Sachen Telefon-, Internet und Ökostromanbieter, das Auto muss angemeldet werden,......es sind nicht mal mehr 2 Monate, bis wir wieder nach Deutschland reisen.

 

...gibt es tatsächlich auch Dinge, die wir inzwischen vermissen. Allen voran ein anständiges Frühstück mit frischem Brot, leckerem Müsli und dazu die aktuelle Tageszeitung. Thomas freut sich aufs Tennisspielen und ich freue mich auf meinen schönen Yogaplatz zu Hause.